Die meldende Person saß in einer am Hauptbahnhof stehenden Regionalbahn. Aufgrund des Datums (Beginn der Karnevalssession in Köln) waren viele Menschen am Bahnhof und auch im besagten Zug alkoholisiert und kostümiert.
Da sich die Person im Einstiegsbereich des Zuges befand, konnte sie gut hören, was die Menschen vor dem Zug sagten. Am Gleis näherte sich eine Gruppe junger Männer im Alter von schätzungsweise 17 bis 22 Jahren. Als sie das im Vergleich zu anderen Zugmodellen deutlich ältere Fahrzeug sahen, rief einer aus der Gruppe:
„Alter! Das ist der Sonderzug nach Dachau!“
Die Gruppe lachte und stieg ein, einige Personen im Abteil lachten ebenfalls über die Bemerkung. Die Aussage blieb unkommentiert, auch von der Person, die den Vorfall gemeldet hat.
Die Perspektive des Zeugen
Im Nachgang der Meldung reflektierte die meldende Person:
„Ich begrüße es eigentlich sehr, wenn in solchen Situationen eingegriffen wird. Umso enttäuschter bin ich über meine eigene Nicht-Reaktion. Rückblickend war es wohl eine Mischung aus Überforderung, Verwirrung und der Enttäuschung darüber, dass die anderen Menschen im Abteil diesen „Witz“ so amüsant fanden und lachten. Gleichzeitig hatte ich direkt die typische Reaktion im Kopf: „Ach, das war doch nur ein Scherz!“.
Als mehrfach marginalisierte Person kenne ich diese Bagatellisierung meines Leids bereits aus früheren Situationen, in denen ich reagiert habe. Jedenfalls bereue ich es, diesmal geschwiegen zu haben. Ich glaube, ich war gestern einfach nicht bereit dafür, mich in diese Situation zu begeben.“