Schmiererei am Klingelpützpark

Vorgefallen am 05. Mai 2025 in Köln-Innenstadt

Am 5. Mai stellte eine Fußgängerin fest, dass eine Hauswand mit einem Sticker beklebt worden war, auf dem „Juden” als „Mörder” bezeichnet wurden.

Die Bezeichnung von Jüdinnen*Juden als „Mörder” stellt eine pauschale Diffamierung einer gesamten Personengruppe dar. Letztlich zielt diese darauf ab, Gewalt gegenüber dieser Gruppe zu rechtfertigen und zu legitimieren. Die so aufgemachte Dichotomie unterscheidet zwischen unschuldigen Menschen auf der einen Seite und „per Definition bösartigen Juden“. Aus historischer Perspektive ist die Bezeichnung von Jüdinnen*Juden als „Mörder” eine etablierte Form der kollektiven Schuldzuweisung im Antisemitismus. Es handelt sich also um eine Art „Ur-Stereotyp” des Antisemitismus, der sich über die Jahrhunderte hinweg den jeweiligen Zeiten und Bedürfnissen der Menschen angepasst haben: Vom Vorwurf des „Ritualmordes” und des „Gottesmordes” im christlichen Antijudaismus, bis hin zum „Kindermord“-Vorwurf im israelbezogenen Antisemitismus.

Im vorliegenden Fall wurde der Sticker in unmittelbarer Nähe der Klingelpützparks angebracht. Der Park befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses Klingelpütz. Während der NS-Zeit waren im Klingelpütz bis zu 1.700 Häftlinge zusammengepfercht. Neben seiner Funktion als Haftanstalt diente der Klingelpütz als zentrale Hinrichtungsstätte für zahlreiche Sondergerichte. Insgesamt wurden von 1933 bis 1945 schätzungsweise 1.000 Menschen hier umgebracht.

Der Vorfall steht möglicherweise im Zusammenhang mit weiteren nahezu wortgleichen Schmierereien, die in den letzten Wochen und Monaten in Köln aufgetaucht sind. Bereits im Oktober 2024 wurde an die Fassade einer Kneipe „Juden morden wie Nazis” in kölscher Mundart geschmiert.