Der „wandernde Jude“ als Zimmerpflanze

Vorgefallen am 26. Februar 2026 in Köln

In einem Kölner Gartencenter wurde eine Pflanze mit dem Namen „Wandering Jew“ („Wandernder Jude“) zum Verkauf angeboten.

Der Begriff „Wandering Jew“ geht auf eine im mittelalterlichen Christentum verbreitete Legende zurück. Diese erzählt von einem Juden, der Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung verspottet haben soll und daraufhin dazu verdammt wurde, rastlos durch die Welt zu wandern, bis zur Wiederkunft Christi. In der deutschen Rezeption wurde daraus die Figur des „Ewigen Juden“. Über Jahrhunderte hinweg diente diese Erzählung als Projektionsfläche für antisemitische Vorstellungen. Im Verlauf der Neuzeit wurde der antisemitische Gehalt der Erzählung immer deutlicher. Insbesondere im Nationalsozialismus wurde der Begriff „Ewiger Jude“ propagandistisch instrumentalisiert und mit rassistischen sowie verschwörungsideologischen Deutungen verknüpft.

Der wissenschaftliche Name der Pflanze lautet „Tradescantia zebrina“, doch die Verwendung der Bezeichnung „Wandering Jew“ ist bereits seit dem 19. Jahrhundert belegt. Auffällig ist, dass dieser Pflanze häufig Eigenschaften wie „invasiv“, „sich ausbreitend“ oder „überall eindringend“ zugeschrieben werden. Solche Zuschreibungen stehen in Zusammenhang mit klassisch antisemitischen Narrativen, in denen Jüdinnen*Juden als „fremd“ und „die Gesellschaft unterwandernd“ konstruiert werden.

Innerhalb der Botanik gibt es seit einigen Jahren vereinzelte Initiativen, die den Namen aufgrund seines antisemitischen Hintergrunds nicht mehr verwenden und vermehrt auf Alternativbezeichnungen, wie „The Wandering Dude“ („der wandernde Kerl“) zurückgreifen (siehe z.B. Uprooting the Wandering Jew Plant Name – Tablet Magazine oder Wandering Jew: Why We’re No Longer Using The Name – Bloombox Club). Dennoch finden sich insbesondere in sozialen Netzwerken überwiegend Beiträge, die die Bezeichnung völlig unkritisch verwenden.

Dass die Pflanze auch in Köln unter diesem Namen verkauft wird, ist dabei nicht zwingend Ausdruck einer bewussten antisemitischen Intention seitens des Gartencenters. Der Fall verdeutlicht jedoch exemplarisch, wie antisemitisch konnotierte Begriffe in alltäglichen Kontexten fortbestehen und dort unreflektiert reproduziert werden.

Tradescantia zebrina, im Handel teilweise als „Wandering Jew“ bezeichnet.
Foto: Anak kampuang, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons